„Mythen der Großen Göttin lehren Mitleid
mit allem Lebendigen. Dabei lernt man die wahre Heiligkeit der Erde selbst
würdigen, denn sie ist der Körper der Göttin.“
Joseph Campbell
Die Bilder der
Weiblichkeit, gemalt auf Kreidegrund mit Eitempera, vergoldet mit echtem
Blattgold, sind Zitate von Frauendarstellungen, die in ganz unterschiedlichen
Kulturkreisen und in weit auseinander liegenden Teilen der Erdkugel entstanden
sind. In Amerika, in Europa, in Australien, Afrika und Asien. Sie wurden
geschnitzt, gemalt, aus Ton geformt, in Stein gemeißelt. Die meisten
stammen aus uralten Zeiten. Die Venus von Willendorf/Österreich wurde
23000 v. Chr. aus Stein geschnitzt, mit ihren ausladenden Hüften und
vollen Brüsten war sie wahrscheinlich eine Fruchtbarkeitsgöttin.
Sie wurde in der matriarchalen Gesellschaft, die zu dieser Zeit in Europa
verbreitet war, geehrt.
Ich möchte mit diesen Ikonen an die einst würdige Stellung der
Frau erinnern und gleichzeitig Stoff zur weiblichen Identitätsfindung
heute geben. Die weiblichen Idole oder Figurinen, wie sie auch genannt werden,
verkörpern ganz unterschiedliche Aspekte der Weiblichkeit.
Wurde die Eva, die Mutter des Lebens, nach der jüdischen Überlieferung
als eine Frau geschildert, die dem Manne Adam untertan war, so war Lilith
eine sehr selbstbewußte Frau, die sich "nicht unter kriegen ließ",
so berichtet es eine jüdische Legende. Sie wurde darum verstoßen,
verdammt, eine geflügelte Herrin der Tiere. In diesem Ikonenarrangement
soll sie gewürdigt werden, sie wird flankiert von ihrer Nachfolgerin.
Maria, die Mutter Jesu, ist hier die Heilende. Dieses Bild soll Lukas, der
Evangelist, gemalt haben. Der Ikone wurde Wunderkraft zugeschrieben. Darum
- so sagt die Legende - wollte der Papst diese Ikone in den Vatikan bringen
lassen. Aber sie ließ sich an einer bestimmten Stelle nicht weiterbewegen.
Der Papst kam herbeigeeilt, sprach Bittgebete, die Ikone ließ sich
nun bewegen. Aber sie blieb nur eine Nacht im Vatikan, eilte selbsttätig
in ihr Kloster zurück, wo sie noch heute zu sehen sein soll. Die Maria
del Rosario.
Aber es gibt auch weniger sanftmütige Frauenbilder. Die Ischtar in
Mesopotamien war eine vielfältige Göttin. Eine Kriegerin, die
Schutzgöttin der Huren, eine Unterweltsgöttin. Sie lebte sehr
offen und freizügig ihre Sexualität, ein Thema, dem gegenüber
die christlichen Kirchen nicht sehr aufgeschlossen sind. Die Sheela na gig,
eine froschförmige Figurine, die ihre Vulva geöffnet hält,
ist noch heute in keltischen Kirchen in Irland und England zu finden, ein
Relikt aus vorchristlichen Religionen. Es scheint hier nicht einfach um
Sexualität zu gehen, sondern um das Tor zur Welt und das Tor zum Tod.
Um die islamischen Frauen zu ehren, wurde eine islamisch/indische Malerei
ausgewählt und das arabische Wort für "Frau" in das
himmlische Gold gesetzt.
Eva Herborn, 2007